Bundesgesundheitsblatt

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  1. Zusammenfassung

    Der Ebolafieberausbruch in Westafrika 2014/2015 war der mit Abstand größte, längste und geografisch ausgedehnteste Ausbruch dieser Krankheit seit der Entdeckung des Ebolavirus 1976. Obwohl in Deutschland keine Ebolafieberfälle bestätigt wurden, hat dieser Ausbruch auch hier eine Reihe von Krisenmanagementaktivitäten ausgelöst.

    Basierend auf einer Kombination aus lokalen, nationalen und internationalen Evaluierungen, Literaturarbeit und zahlreichen Gesprächen unter deutschen und mit ausländischen Kolleginnen und Kollegen werden die Erfahrungen ausgewählter deutscher Akteure und sich daraus ergebende Schlussfolgerungen für den Gesundheitsschutz in Deutschland dargestellt.

    Zum einen bleibt in Deutschland eine kontinuierliche Vorbereitung auf die Bewältigung außergewöhnlicher Gesundheitslagen – ausgelöst von Krankheiten durch hochpathogene Erreger/Agenzien – und die Bereitstellung angemessener materieller und personeller Strukturen und Fähigkeiten wichtig. Zum anderen ist ein verstärktes Engagement Deutschlands für globale Gesundheit notwendig, da die Grenze zwischen globaler und lokaler Gesundheit zunehmend verschwimmt.

  2. Zusammenfassung

    Hintergrund

    In den Notaufnahmen wächst die Arbeitsbelastung durch Patienten ohne medizinischen Notfall. Unterstützungsangebote aus dem ambulanten Sektor haben sich noch nicht ausreichend etabliert.

    Ziel der Arbeit

    Um festzustellen, inwieweit es sich bei Patienten in Notaufnahmen um echte medizinische Notfälle handelt, sollen Patienten mit mindestens 2 und solche mit maximal 1 chronischen Erkrankung verglichen werden. Zudem sollen Einflussfaktoren auf die vorherige Inanspruchnahme ambulanter Strukturen identifiziert werden.

    Material und Methoden

    Die Studienklientel stammt aus der Querschnittsstudie „PiNo-Nord“. In 5 Notaufnahmen wurden zwischen 10/2015 und 07/2016 alle „nicht sofort“ oder „nicht sehr dringend“ Behandlungsbedürftigen interviewt. Die Datenanalyse erfolgte explorativ und mithilfe multivariater logistischer Regression.

    Ergebnisse

    Die 293 Patienten mit ≥2 chronischen Erkrankungen stellten verglichen mit den 847 Patienten mit max. 1 chronischen Erkrankung etwa genauso häufig einen medizinischen Notfall dar. Konsultationsanlässe (und Entlassungsdiagnosen) waren v. a. Traumata am Bewegungsapparat (33 %, n = 293 vs. 42 %, n = 847) oder der Haut (11 %, n = 293 vs. 13 %, n = 847). In beiden Gruppen spielten die haus- oder fachärztliche Versorgung sowie diagnostische oder Behandlungsmöglichkeiten für das Aufsuchen der Notaufnahme selten eine Rolle. Stärkste Prädiktoren für eine vorherige ambulante Behandlung waren längere Beschwerdedauer, subjektiv hohe Behandlungsdringlichkeit, mindestens zwei chronische Erkrankungen und eine den Bewegungsapparat betreffende Konsultation.

    Schlussfolgerung

    In beiden Patientengruppen wurde kein Anhaltspunkt für unnötiges Aufsuchen der Notaufnahme gefunden. Zum größten Teil werden vorab ambulante Strukturen genutzt und die Notaufnahme nur bei tatsächlichem medizinischen Notfall aufgesucht.

  3. Zusammenfassung

    In den Jahren 2014/2015 gab es in Westafrika einen Ebolafieberausbruch in bis dahin unbekanntem Ausmaß. Vorrangig waren die Staaten Liberia, Sierra Leone und Guinea betroffen und erstmals auch große Städte, teils mit internationaler Flughafenanbindung. Weltweit wurden 28.652 Fälle registriert, darunter 11.325 mit Todesfolge. Nur vereinzelt traten Fälle in anderen Staaten auf. Drei Erkrankte und eine Person mit Nadelstichverletzung wurden nach Deutschland evakuiert und dort behandelt bzw. beobachtet. Einer der Patienten verstarb.

    In diesem Beitrag werden der Ablauf des Ausbruchs und die internationalen Reaktionen geschildert. Epidemiologische Daten und wichtige politische Entwicklungen, die im Zusammenhang mit diesem Ausbruch stehen, werden zusammengefasst.

    Seinen Ursprung hatte der Ausbruch im Dezember 2013 in Guinea. Der Höhepunkt lag im Zeitraum September bis Dezember 2014. Am 08.08.2014 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ausbruch zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC). Die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) beschloss am 19.09.2014 die UN Mission for Ebola Emergency Response (UNMEER). Am gleichen Tag versprach die Bundesregierung neben weiteren finanziellen Mitteln auch eine Reihe weiterer Hilfeleistungen, u. a. die Einrichtung einer Luftbrücke, den Aufbau von Behandlungseinrichtungen und Schulungsangebote.

    Bis April 2016 kam es immer wieder zu lokalen Ausbrüchen. Am 29.03.2016 erklärte die WHO die PHEIC für beendet. Am 28.04.2016 war der Ausbruch endgültig vorbei.

  4. Zusammenfassung

    Die Patientenbeteiligung im deutschen Gesundheitswesen bleibt gegenwärtig weit hinter dem erforderlichen Maß zurück. Trotz Subjektstellung der Patienten im Gesundheitssystem sind deren Mitgestaltungs- und Mitentscheidungsmöglichkeiten gering. Der Aufsatz zeigt auf, in welchen strukturellen Bereichen eine Patienteneinbindung erforderlich ist, wie die Qualität einer solchen sichergestellt und auf welche Weise die Beteiligung gestalterisch umgesetzt werden kann.

    Um eine höhere Akzeptanz von Gesundheitsversorgungsentscheidungen bei Betroffenen zu erreichen, ist eine Einbeziehung von persönlichen Erfahrungen und Kenntnissen der Patienten bei Gestaltung und Weiterentwicklung des Gesundheitswesens sinnvoll und geboten. Erforderlich hierfür ist eine auf Information und Partizipation gerichtete Patientenbildung. Lernmodule verschiedener Schulungsanbieter sollten sowohl fachliche Expertise als auch allgemeine System- und Methodenkompetenzen vermitteln. Aufgrund der dem Patienten innewohnenden Schlüsselrolle bei der Verwaltung seiner Gesundheitsdaten wären Bildungsangebote auch in diesem Bereich sinnvoll. Gestaltungsmöglichkeiten bieten sich Bürgern an allen Schnittstellen zwischen Gesundheitseinrichtungen, Produkten und Gesundheitsdienstleistungen. Einer Partizipation bedarf es darüber hinaus auch bei Allokationsentscheidungen der Selbstverwaltung in der Gesetzlichen Krankenversicherung und den Bundesoberbehörden. Vorangehen muss einer solchen jedoch die demokratische Legitimation.

    Eine effektive Patientenbeteiligung im deutschen Gesundheitswesen erfordert die Bewältigung großer regulatorischer Herausforderungen durch die Beteiligten des Gesundheitswesens. Die Zeit für die Umsetzung ist gekommen.

  5. Zusammenfassung

    Hintergrund

    In den letzten Jahren haben Tätowierungen stark zugenommen, was die Frage nach soziografischen Parametern und der Gesundheitsorientierung von Tattooträgern aufwirft.

    Ziel

    Erhebung aussagekräftiger Zahlen zur Prävalenzentwicklung von Tattoos, zur Soziodemografie und zur Gesundheitsorientierung von Tätowierten.

    Material und Methoden

    Erhebung der Prävalenz von Tätowierungen anhand dreier repräsentativer Bevölkerungsumfragen in Deutschland lebender Personen (≥14 Jahre; 2003: n = 2043, 2009: n = 2512, 2016: n = 2510). Neben den Prävalenzen wurden soziodemografische Parameter erhoben. In der repräsentativen Befragung von 2016 wurde zudem die Gesundheitsorientierung einfach und mehrfach tätowierter männlicher und weiblicher Personen mit der von Nichttätowierten verglichen.

    Ergebnisse

    2016 war knapp jede/r fünfte Deutsche ≥14 Jahre tätowiert (37 %). Am häufigsten trugen junge Erwachsene im Alter zwischen 25 und 34 Jahren Tattoos, die bei beiden Geschlechtern etwa gleich beliebt waren. Tätowierungen waren in allen Bildungsschichten vertreten, es bestanden schwache Zusammenhänge mit einem geringeren Bildungsgrad und Erwerbslosigkeit. Lediglich mehrfach tätowierte männliche Personen weisen eine signifikant niedrigere gesundheitsfördernde Orientierung als männliche Personen ohne Tattoos auf.

    Diskussion

    Die hohe Prävalenz von Tattoos in der jungen Generation bei einer schwach niedrigeren gesundheitsfördernden Verhaltensorientierung bei mehrfach tätowierten männlichen Personen wirft Fragen nach der medizinischen Risikoaufklärung der Nutzer wie auch der gesetzlichen Regulierung der Anbieter von Tattoos auf.

  6. Zusammenfassung

    Hintergrund und Ziel der Arbeit

    Diversität nimmt auch bei Erwerbstätigen zu. Traditionelle Ansätze des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes reichen meist nicht aus, um den damit einhergehenden Herausforderungen zu begegnen. Auch fehlt es derzeit an Wissen über spezifische Bedarfslagen, um adäquate Interventionen unter Einbindung von Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund zu entwickeln. Ziel der Arbeit ist es, ausgehend von einer Daten- und Literaturzusammenstellung, den Stand der migrationsbezogenen Diversität in der Arbeitswelt aufzuzeigen und Überlegungen zur Gestaltung von Prävention und Gesundheitsförderung zu erörtern.

    Material und Methoden

    Mittels gezielter Recherchen in der einschlägigen Berichterstattung, einer Analyse von Daten des Sozio-oekonomischen Panels sowie Literaturrecherchen in entsprechenden Fachdatenbanken wurden aktuelle Erkenntnisse zu Gesundheitsindikatoren, Belastungen und Beanspruchungen, strukturellen Rahmenbedingungen und dem Stand der betrieblichen Prävention und Gesundheitsförderung zusammengestellt.

    Ergebnisse

    Es konnten differenzierte Ergebnisse zur Gesundheit in der Arbeit und zu Belastungen und Beanspruchungen herausgearbeitet werden. Besonders zeigt sich, dass Beschäftigte mit Migrationshintergrund häufiger körperlichen sowie Umgebungsbelastungen ausgesetzt sind. Zudem sind für sie die strukturellen Rahmenbedingungen der Arbeit schlechter, etwa in Form geringerer Erwerbstätigenquoten oder häufigerer atypischer Beschäftigungsverhältnisse.

    Diskussion

    Für das Zustandekommen der berichteten Differenzen lassen sich plausible Erklärungen heranziehen und sinnvolle Empfehlungen formulieren. Allerdings müssen die insgesamt defizitäre Datenlage sowie Einschränkungen bei der Datenerhebung berücksichtigt werden.

  7. Zusammenfassung

    In Deutschland droht ein Nachwuchsmangel im hausärztlichen Bereich. Ein Drittel der aktuell tätigen Hausärztinnen und Hausärzte ist 60 Jahre und älter. Jährlich verlassen 1700 Personen den Beruf, während nur etwa 1350 neue fachärztliche Anerkennungen ausgestellt werden. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVRG) geht von einem nicht gedeckten Ersatzbedarf von rund 20.000 Stellen bis 2025 aus. 2017 waren bereits 2600 hausärztliche Kassenarztsitze (KV-Sitze) nicht besetzt.

    Basierend auf den Ergebnissen der KarMed-Studie geht dieser Beitrag den Fragen nach, wie viele Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung eine spätere hausärztliche Tätigkeit anstreben, welche Vorstellungen damit einhergehen und welche Folgen der steigende Anteil von Ärztinnen in der hausärztlichen Versorgung in Bezug auf das mögliche Arbeitsvolumen haben wird. Ferner werden Maßnahmen diskutiert, die ein eventuelles personelles Defizit abmildern könnten.

    Die Attraktivität der hausärztlichen Tätigkeit nahm bei Ärztinnen über die sechs Jahre beträchtlich zu. Zudem zeigt sich ein Zusammenhang zwischen der Präferenz für hausärztliche Tätigkeit und Elternschaft. Ärztinnen streben Teilzeittätigkeit und ein Angestelltenverhältnis an. Aufgrund dessen und weiterer Faktoren kann geschätzt werden, dass sich das Arbeitsvolumen bei Hausärztinnen im Vergleich zum traditionellen Arbeitsmodell künftig halbieren wird.

    Die prognostizierten Nachwuchszahlen dürften keinesfalls ausreichen, um den Bedarf an hausärztlicher Versorgung in Deutschland zu decken. Mögliche wirksame Maßnahmen wären u. a.: Einführung eines Primärarztsystems, Schaffung multiprofessioneller Zentren, Quotierung des Zugangs zur Spezialistenweiterbildung, Bedarfsplanung sowie Verkürzung und Flexibilisierung der allgemeinmedizinischen Weiterbildung.

  8. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Für verschiedene somatische und psychiatrische Krankheitsbilder ist bekannt, dass die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen und die damit verbundenen Kosten vom sozioökonomischen Status (SES) der Patienten abhängen. Für den Bereich kinder- und jugendpsychiatrischer Störungen liegen zu dieser Thematik bislang keine Untersuchungen vor.

    Fragestellung

    Es wurde explorativ untersucht, inwieweit Kosten für Gesundheitsleistungen bei Kindern und Jugendlichen mit Störung des Sozialverhaltens (SSV), einem der häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Störungsbilder, vom SES abhängen.

    Material und Methoden

    Grundlage der Analysen bildeten Routinedaten der AOK Nordost aus dem Jahr 2011 von 6461 Kindern und Jugendlichen (Alter: 5–18 Jahre) mit ICD-10-Diagnose einer SSV. Der SES der Versicherten wurde indirekt über die Sozialstruktur des Wohnortes (PLZ-Bezirk) mithilfe des German Index of Multiple Deprivation (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg) bzw. des Berliner Sozialindex I (Berlin) bestimmt, die in Quintile aufgeteilt wurden. Auf Basis dieser Quintile wurden die durchschnittlichen Kosten pro Fall für ambulante Behandlungen bei Allgemeinärzten, Pädiatern, Kinder- und Jugendpsychiatern bzw. -psychotherapeuten sowie für stationäre Krankenhausaufenthalte und Arzneimittelverordnungen analysiert.

    Ergebnisse

    Für keine der untersuchten Kostenarten fand sich ein funktionaler Zusammenhang zwischen SES und Gesundheitskosten.

    Diskussion

    Im Gegensatz zu bisherigen Daten bei Erwachsenen zeigte sich in dieser Studie keine Assoziation zwischen dem SES und den Gesundheitskosten von Kindern und Jugendlichen mit SSV. Es scheint somit bei der medizinischen Versorgung dieser Patientengruppe in Deutschland keine signifikante sozial bedingte Ungleichheit zu bestehen.

  9. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Krebsinformationsdienste dienen Ratsuchenden als Quelle für evidenzbasiertes Wissen. Bisherige Studien über ihre Inanspruchnahme betrachten nur kurze Zeiträume und können somit keine Aussagen über langfristige Veränderungen liefern.

    Ziel der Arbeit

    Ziel der Studie ist die Identifikation von Langzeittrends in den Anfragen von Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen an den deutschen Krebsinformationsdienst (KID).

    Methode

    Sekundäranalyse der Anfrageprotokolle an den KID des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ; N = 545.070) von Anfang 1992 bis Ende 2016. Die Anfrageentwicklung wird anhand der Gesamtzahl der Anfragen beschrieben, während die Deskription weiterer Merkmale an einer Stichprobe (n = 55.046) von Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen erfolgt.

    Ergebnisse

    Die Anfragen sind im Untersuchungszeitraum deutlich angestiegen (1992: 11.344 Anfragen; 2016: 34.869 Anfragen). Dabei liegt seit 2005 der Anteil der Patientinnen und Patienten (zwischen 52 % und 60 %) über dem Anteil der Angehörigen. Das Durchschnittsalter der Patientinnen und Patienten ist angestiegen: Lag es von 1992 bis einschließlich 2000 noch unter 55 Jahren, stieg es seitdem bis ins Jahr 2016 auf über 60 Jahre an. Anfragen zu Brustkrebs wurden im gesamten Untersuchungszeitraum am häufigsten gestellt (Patientinnen/Patienten: n = 11.319, 39 %; Angehörige: n = 4173, 17 %). Auch nachdem E‑Mail als neuer Anfragekanal eingeführt wurde, bevorzugt ein Großteil der Anfragenden weiterhin den telefonischen Kontakt (zwischen 80 % und 98 %).

    Diskussion

    Die Inanspruchnahme des Krebsinformationsdienstes unterliegt zeitlichen Veränderungen, die vermutlich mit strukturellen Faktoren, wie Prävalenzraten oder Entwicklungen in Familienstrukturen oder Medienumgebungen, in Zusammenhang stehen.

  10. Zusammenfassung

    Die partizipative Epidemiologie ist ein Konzept, das die aktive Einbeziehung und möglichst gleichberechtigte Zusammenarbeit von Forschenden und Beforschten in einzelnen Abschnitten oder im gesamten epidemiologischen Studienverlauf vorsieht. Sie umfasst folgende Aspekte: die kooperative Definition von Forschungszielen und Forschungsfragen, die partnerschaftliche Bestimmung zu erforschender Bevölkerungsgruppen und deren gesundheitsrelevanter Lebenswelten, die Auswahl oder Entwicklung angemessener Erhebungsinstrumente sowie dialogische Formen der Ergebnisinterpretation. Die partizipative Epidemiologie zielt auf die Schaffung von Erkenntnissen mit praktischer Relevanz für alle Beteiligten.

  11. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Kassenärztliche Abrechnungsdiagnosen werden u. a. zur Qualitätssicherung und für Schätzungen von Prävalenz und Ressourcenverbrauch genutzt. Untersuchungen zur Validität zeigten erhebliche Limitationen. Bisher gibt es in Deutschland keine populationsbasierten Daten zur Übereinstimmung von ambulanten Abrechnungsdiagnosen mit klinischen Primärdaten von Schilddrüsenveränderungen.

    Ziel der Arbeit

    Untersucht wurde die Übereinstimmung kassenärztlicher Abrechnungsdaten für die ICD-Diagnosen Schilddrüsenknoten, Struma, Hyperthyreose, Hypothyreose und Thyreoiditis mit Untersuchungsdaten und Angaben aus dem Interview der populationsbasierten Kohortenstudie der Study of Health in Pomerania (SHIP).

    Material und Methoden

    Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommerns wurden auf individueller Ebene für den Zeitraum 2002–2016 mit Daten der SHIP gelinkt. Die Übereinstimmung wurde mittels Sensitivität, Spezifität sowie positiv und negativ prädiktiven Wertes (PPW, NPW) untersucht. Alle Angaben wurden gewichtet, um die Bevölkerungsrepräsentativität zu gewährleisten.

    Ergebnisse

    In die Analyse wurden Daten von 5746 Probanden (46 % Männer, durchschnittliches Alter 55 Jahre, SD [Standardabweichung] ± 15, Min.: 20 Jahre, Max.: 93 Jahre) eingeschlossen. Auf Basis der Untersuchungsdaten hatten 63 % der Probanden eine Schilddrüsenveränderung (3451/5511, fehlende Werte n = 235), auf Basis der Abrechnungsdaten waren es 25 % (1421/5746). Die Sensitivität betrug abhängig von der untersuchten Schilddrüsenveränderung 12–36 %, die Spezifität 84–98 %, der PPW lag am höchsten bei Schilddrüsenknoten (75 %) und Hypothyreose (70 %); der NPW lag zwischen 63 % und 94 %.

    Diskussion

    Schilddrüsenveränderungen sind in der Bevölkerung sehr häufig und oft nicht diagnostiziert. Kassenärztliche Abrechnungsdaten haben eine geringe Sensitivität, um klinisch relevante Schilddrüsenveränderungen abzubilden.

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