Bundesgesundheitsblatt

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  1. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Bleirohre wurden lange Zeit in Trinkwasserinstallationen verbaut, erst seit 1973 wird von ihrer Verwendung in Neubauten dringend abgeraten; dennoch finden sie sich noch in alten Gebäuden. Bleihaltige Legierungen werden daneben bis heute in Bauteilen wie Armaturen verwendet. So resultiert eine vermeidbare Belastung des Trinkwassers. Die gesundheitliche Bedeutung dieser Belastung wird mit einer Senkung des derzeit geltenden Grenzwertes von 10 µg/l auf 5 µg/l durch die 2020 verabschiedete neue EU-Trinkwasserrichtlinie gewürdigt. Diese sieht eine Übergangsfrist von 15 Jahren vor.

    Ziel der Arbeit

    Die Relevanz eines strengeren Grenzwertes für Blei im Trinkwasser soll anhand der Ergebnisse von Routineanalysen bewertet werden sowie notwendige Public-Health-Maßnahmen zur Expositionsprophylaxe vulnerabler Gruppen sollen formuliert werden.

    Material und Methoden

    Es wurde eine retrospektive Analyse von Routineproben aus der Stadt Bonn durchgeführt, die ein akkreditiertes Trinkwasserlabor in den Jahren 1997–2019 untersucht hatte.

    Ergebnisse

    Es konnten 16.060 Proben analysiert werden. 75,36 % dieser Proben waren unterhalb der quantitativen Bestimmungsgrenze. Der Median der quantifizierbaren Proben lag in jedem betrachteten Jahr oberhalb des zukünftigen Grenzwertes für Blei im Trinkwasser. Es konnte kein Effekt der letzten Übergangsfrist von 10 Jahren (2003–2013) festgestellt werden.

    Diskussion

    Auch wenn keine systematischen Untersuchungen zur Bleibelastung in deutschen Kommunen vorliegen, ist die Thematik von hoher Aktualität. Bleiexposition durch Trinkwasserinstallationen ist ein vollständig vermeidbares Gesundheitsrisiko, dass jedoch nur bei konsequenter Durchsetzung der geltenden Regeln durch die Gesundheitsbehörden reguliert werden kann. Diese sind hierzu personell, materiell und finanziell ausreichend auszustatten.

  2. Zusammenfassung

    Mit der Feststellung einer pandemischen Lage von nationaler Tragweite durch den Deutschen Bundestag kommt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Rahmen des angepassten Nationalen Pandemieplanes COVID-19 ihrer Aufgabe nach, Informationen zum Verständnis der Pandemiesituation und zur Umsetzung der erforderlichen Schutzmaßnahmen bundesweit bereitzustellen. Sie informiert Zielgruppen bedarfsgerecht und bindet Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aktiv ein.

    Um sowohl die Perspektiven der Bevölkerung als auch die von Fachkräften der Prävention und Gesundheitsförderung angesichts des besonders initial geringen Wissenstands in der Bevölkerung in die Angebote der BZgA einfließen zu lassen, wurden verschiedene Methoden und Datenquellen genutzt: die Bevölkerungsbefragung COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO), das Monitoring von Bürgerinnen- und Bürgeranfragen via Telefon und E‑Mail an die BZgA, Befragungen von Beratungsfachkräften bundesweiter Telefon- und Onlineberatungsstellen, Befragungen von Gesundheitsfachkräften der Frühen Hilfen (NZFH) sowie fachübergreifende Expertinnen- und Expertenhearings. Über einen reinen Informationsansatz hinaus sollten gemäß WHO-Leitlinien und Kriterien effektiver Kommunikation praxis- und alltagstaugliche Angebote entwickelt und bereitgestellt werden, um die Kompetenzen für eine schrittweise Anpassung an eine „neue Normalität“ zu unterstützen.

    Der Beitrag schildert den datenbasierten und evidenzinformierten Entwicklungsprozess von Kommunikationsinhalten und -angeboten sowie ihre Verbreitung über bereits existierende Websites und Kanäle für andere Themen bzw. die Integration in die neue übergreifende Onlineplattform www.zusammengegencorona.de.Damit wird aufgezeigt, wie jenseits des klassischen und erprobten Kampagnenauftritts bedarfsbezogene und zielgruppenspezifische Kommunikationsangebote umgesetzt werden können.

  3. Zusammenfassung

    Die Dringlichkeit der Klima- und Nachhaltigkeitskrise und ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit rücken auch im deutschen Gesundheitswesen zunehmend in den Fokus. Um ein weiteres Fortschreiten der Klima- und Nachhaltigkeitskrise zu verhindern, sind tiefgreifende Transformationsprozesse in allen gesellschaftlichen Sektoren notwendig (z. B. Verkehr, Energieerzeugung, Ernährungssystem). Angehörige der Gesundheitsberufe haben auf Basis ihrer ethischen Verpflichtung des Nichtschadens und ihrer guten Vertrauenswerte in der Gesellschaft das Potenzial, einen wichtigen Beitrag zu den notwendigen Transformationsprozessen zu leisten.

    Damit sie dieses Potenzial zur Gänze ausschöpfen können, sollten Angehörige der Gesundheitsberufe im Rahmen ihrer Aus‑, Fort- und Weiterbildung bei der Entwicklung von Kompetenzen begleitet werden, die zu transformativem Handeln befähigen. Wir führen in diesem Artikel in das Konzept der planetaren Gesundheit ein, das hierfür sowohl inhaltliche als auch ethische Orientierung gibt. Außerdem geben wir einen Überblick über aktuelle Lehr- und Lernformate und identifizieren Aspekte, die zur Weiterentwicklung der Lehre im Bereich planetare Gesundheit beitragen könnten.

  4. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Das in Deutschland eingerichtete Nationale Gesundheitsportal soll evidenzbasierte Gesundheitsinformationen bereitstellen. Es erscheint sinnvoll, Entwicklungsperspektiven zu reflektieren, um Anwendungshorizonte, Nutzungs- und Wirkungspotenziale des Portals abzuschätzen und Mehrwerte generieren zu können.

    Ziel der Arbeit

    Unter Berücksichtigung von Implementierungserfahrungen anderer europäischer Länder sollen der Sachstand des Vorhabens sowie die Perspektive von politischen Entscheidungsträger*innen und Hausärzt*innen umrissen werden. Aus der Analyse sollen Empfehlungen abgeleitet werden, welche Ausgestaltung für ein nationales Gesundheitsportal insbesondere mit Blick auf die hausärztliche Versorgung Erfolg versprechend erscheint.

    Methoden

    Anhand einer Literaturrecherche sowie auf Basis zweier Vorstudien geht der Artikel der Frage nach, in welchen Entwicklungskategorien ein nationales Gesundheitsportal perspektivisch ausgestaltet werden könnte.

    Ergebnisse

    Auf Basis der Zusammenschau erscheint eine Reihe von Dimensionen ausschlaggebend, entlang derer sich Grundsatzentscheidungen zur Ausrichtung des Nationalen Gesundheitsportals treffen lassen. Diese beziehen sich auf die Einbettung in eine E‑Health-Strategie, Konvergenz- und Integrationsmaßnahmen hinsichtlich evidenzbasierter Informationen, die Sicherstellung von Auffindbarkeit, die inhaltliche Schwerpunktsetzung und Zielgruppenansprache, die funktionelle Ausgestaltung sowie die Trägerschaft und Einbeziehung von Gesundheitsakteuren.

    Diskussion

    Ein evidenzbasiertes Portal kann ein wertvolles Instrument sein, um Patient*innen besser aufzuklären, das Arzt-Patienten-Verhältnis zu stärken und die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben. Bereits während der Initiierungsphase sollten ein Innovations- und Integrationspotenzial sowie eine ausreichende Bekanntheit und Sichtbarkeit innerhalb des Gesundheitswesens sichergestellt werden.

  5. Zusammenfassung

    Hintergrund

    In der COVID-19-Pandemie ging die Versorgung nichtübertragbarer Erkrankungen zeitweise deutlich zurück, auch weil Menschen Angst vor einer Ansteckung hatten. Wir führen eine Bestandsaufnahme zur organisationalen Gesundheitskompetenz in der Regelversorgung nichtübertragbarer Erkrankungen in der ersten Welle der COVID-19-Pandemie durch und fragen: Inwiefern wurden Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden dabei unterstützt, gesundheitskompetente Entscheidungen für oder gegen die Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen zu treffen?

    Methodik

    Strukturierende Inhaltsanalyse der Internetpräsenzen der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF; n = 179), der kassen(zahn)ärztlichen Vereinigungen (K(Z)Ven; n = 38), ausgewählter Krankenkassen (n = 21), ausgewählter Behandlungseinrichtungen (n = 25) und überregionaler Anbieter von Gesundheitsinformationen (n = 5) zu Informationen und Angeboten zum Thema.

    Ergebnisse

    Die geprüften Internetpräsenzen informieren weitgehend rund um COVID-19, aber nur selten darüber, wie man sich bei einer (vermuteten) anderen Erkrankung in Bezug auf die Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen verhält. 2 Portale von Anbietern von Gesundheitsinformationen, eine Krankenkasse, aber keine der KVen bieten explizite Entscheidungshilfen an. KVen weisen öfter, aber nicht durchgängig auf die generelle Möglichkeit von Videosprechstunden hin.

    Diskussion

    Für die meisten Patient*innen gab es damit keine gezielten Informationen zu dem Thema. Angesichts der Fortdauer der COVID-19-Pandemie gilt es, vorhandene vertrauenswürdige, qualitativ hochwertige Informations- und Beratungskapazitäten auszubauen und ihre Bekanntheit zu erhöhen, um gesundheitskompetente Entscheidungen auch in der Pandemie zu ermöglichen.

  6. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Zu Beginn der COVID-19-Pandemie in Deutschland veröffentlichte das Robert Koch-Institut (RKI) Orientierungshilfen für eine bedarfsadaptierte und zielgerichtete Teststrategie auf SARS-CoV‑2. In der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) wurde von Beginn an eine RKI-konforme Teststrategie, basierend auf den RKI-Orientierungshilfen angewendet. Ziel dieser Arbeit ist es, zu klären, ob sich diese RKI-konforme Teststrategie als lohnenswert erwiesen hat.

    Material und Methoden

    Es erfolgte eine retrospektive Auswertung aller SARS-CoV-2-Untersuchungen im Zeitraum 26.02.–06.04.2020. Mithilfe der Adressinformationen der getesteten Personen erfolgte zudem eine Geovisualisierung der SARS-CoV-2-Testhäufigkeiten und der positiven Testergebnisse im Stadtgebiet Mannheim.

    Ergebnisse

    Der Anteil SARS-CoV-2-positiver Befunde bei den diagnostischen Proben (n = 2808) lag durchschnittlich bei 7 %. Ein Mitarbeiterscreening (n = 448) blieb ohne positiven Befund. Es erfolgte lediglich ein nosokomialer SARS-CoV-2-Nachweis, Ausbruchsgeschehen gab es nicht. Die Geovisualisierung zeigte innerhalb des Untersuchungszeitraumes eine Verschiebung der Testhäufigkeiten und der lokalen Häufigkeit positiver SARS-CoV-2-Befunde im Stadtgebiet Mannheim.

    Diskussion

    Die festgelegte RKI-konforme Teststrategie führte sowohl zu einem stabilen Anteil positiver Ergebnisse als auch zu einer bedarfsadaptierten Anpassung der Testkapazitäten. Dadurch hat sich diese Strategie unter Praxisbedingungen aus infektionshygienischer und -präventiver Sicht als effektiv erwiesen. Geovisualisierungen können dabei helfen, innerhalb eines Stadtgebietes Verschiebungen von Infektionsherden deutlich zu machen, was im Sinne gezielter infektionspräventiver Maßnahmen (z. B. Impfkampagnen) sinnvoll eingesetzt werden kann.

  7. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Die Eindämmung der COVID-19-Pandemie in Sammelunterkünften für Geflüchtete ist für die Wahrung deren körperlicher und psychischer Gesundheit enorm wichtig. Unklar ist, welche Maßnahmen in diesem Setting ergriffen werden, um das Infektionsrisiko zu senken, zusätzliche Stressoren in der Pandemie zu minimieren und über ergriffene Maßnahmen aufzuklären.

    Ziel

    Situationsanalyse der Maßnahmen, die zur Prävention und Eindämmung des SARS-CoV-2-Virus in Sammelunterkünften für Geflüchtete ergriffen wurden, sowie Identifizierung von Unterstützungsbedarfen der Aufnahmebehörden.

    Methoden

    Qualitative Interviewstudie mit 48 für die Unterbringung von Geflüchteten zuständigen Ansprechpartner*innen in den Aufnahmebehörden. Einzelinterviews wurden wörtlich transkribiert und mittels Framework-Analyse ausgewertet.

    Ergebnisse

    In Bezug auf Maßnahmen des Infektionsschutzes, gesundheitlicher Information und Aufklärung, sozialer und gesundheitlicher Angebote, Testung auf SARS-CoV‑2 und Quarantäne zeichnet sich ein heterogenes Bild ab. Zur Abstimmung und Durchführung der Maßnahmen erwies sich eine effektive intersektorale Kooperation als besonders wichtig. Unterstützungsbedarfe bestehen in der Verbesserung der Unterbringung, dem vermehrten Einsatz von Sprachmittler*innen sowie der lokalen Stärkung gesundheitlicher Fachexpertise.

    Fazit

    Aufgrund der hohen Anzahl an Akteur*innen und der Komplexität von Strukturen und Prozessen übernehmen Aufnahmebehörden ad hoc essenzielle Aufgaben des Infektionsschutzes, für die sie unzureichend aufgestellt sind. Für die Eindämmung der Pandemie sind eine settingspezifische Bündelung fachlicher Empfehlungen und Information auf Bundesebene sowie deren lokale Translation durch die proaktive Einbindung des öffentlichen Gesundheitsdienstes unabdingbar.

  8. Zusammenfassung

    Risikokommunikation spielt eine zentrale Rolle in Public-Health-Notlagen: Sie muss informierte Entscheidungen ermöglichen, schützendes bzw. lebenserhaltendes Verhalten fördern und das Vertrauen in öffentliche Institutionen bewahren. Zudem müssen Unsicherheiten über wissenschaftliche Erkenntnisse transparent benannt werden, irrationale Ängste und Gerüchte entkräftet werden. Risikokommunikation sollte die Bevölkerung partizipativ einbeziehen. Ihre Risikowahrnehmung und -kompetenz müssen kontinuierlich erfasst werden. In der aktuellen Pandemie der Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) ergeben sich spezifische Herausforderungen für die Risikokommunikation.

    Der Wissensstand zu vielen wichtigen Aspekten, die COVID-19 betreffen, war und ist oftmals unsicher oder vorläufig, z. B. zu Übertragung, Symptomen, Langzeitfolgen und Immunität. Die Kommunikation ist durch wissenschaftliche Sprache sowie eine Vielzahl von Kennzahlen und Statistiken geprägt, was die Verständlichkeit erschweren kann. Neben offiziellen Mitteilungen und Einschätzungen von Expertinnen und Experten wird über COVID-19 in großem Umfang in sozialen Medien kommuniziert, dabei werden auch Fehlinformationen und Spekulationen verbreitet; diese „Infodemie“ erschwert die Risikokommunikation.

    Nationale wie internationale Forschungsprojekte sollen helfen, die Risikokommunikation zu COVID-19 zielgruppenspezifischer und effektiver zu machen. Dazu gehören u. a. explorative Studien zum Umgang mit COVID-19-bezogenen Informationen, das COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO), ein regelmäßig durchgeführtes Onlinesurvey zu Risikowahrnehmung und Schutzverhalten sowie eine interdisziplinäre qualitative Studie, die die Konzeption, Umsetzung und Wirksamkeit von Risikokommunikationsstrategien vergleichend in 4 Ländern untersucht.

  9. Zusammenfassung

    In Deutschland sind Ärztinnen und Ärzte, die Cannabisarzneimittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verschreiben, verpflichtet, an einer bis zum 31.03.2022 laufenden nichtinterventionellen Begleiterhebung zur Anwendung dieser Cannabisarzneimittel teilzunehmen.

    Zum Zeitpunkt der Zwischenauswertung am 11.05.2020 lagen 10.010 vollständige Datensätze vor. Am häufigsten wurden Schmerzen (73 %) als primär therapierte Symptomatik genannt, gefolgt von Spastik (10 %) sowie Anorexie/Wasting (6 %). Verordnet wurden in 65 % der Fälle Dronabinol (z. B. als Rezeptur oder Marinol® [AbbVie, IL, USA]), in 18 % Cannabisblüten, in 13 % Sativex® (GW Pharma, Cambridge, UK), in 0,3 % Nabilon (z. B. Canemes® [AOP Orphan Pharmaceuticals AG, Wien, Österreich]) und in 4 % (mit zunehmender Tendenz) Cannabisextrakt. Die Fallzahl von 6485 Fällen erlaubt bei Dronabinol bereits die Auswertung von Subgruppen hinsichtlich der therapeutischen Wirksamkeit. Für Cannabis typische Nebenwirkungen, wie Müdigkeit, Schwindel, Schläfrigkeit, Übelkeit und Mundtrockenheit, traten bei der Verwendung aller Cannabisarzneimittel auf und sind bereits aus den Fachinformationen der cannabisbasierten Fertigarzneimittel bekannt. Potenziell schwerwiegende Nebenwirkungen wie Depression, Suizidgedanken, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Dissoziation und Sinnestäuschungen sind in jeweils mehr als einem von 1000 Fällen gemeldet worden.

    Mit Cannabisblüten behandelte Personen sind deutlich jünger und weisen einen erheblich höheren Männeranteil auf. Sie werden häufiger hausärztlich behandelt (Allgemeinmedizin, innere Medizin), weichen häufiger von den üblicherweise behandelten Diagnosen (Schmerz, Spastik und Anorexie/Wasting) ab und verfügen über mehr Vorerfahrungen mit Cannabis. Das in der Begleiterhebung bestehende Underreporting betrifft diese Fallgruppe am stärksten.

  10. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Mit dem SARS-CoV-2-Ausbruchsgeschehen („Severe acute respiratory syndrome coronavirus type 2“, COVID-19) ist es zu einer Verunsicherung über Erkrankungsrisiko und Folgen der Virusinfektion in der Bevölkerung gekommen. Ältere Menschen gelten als Risikogruppe für schwere Infektionsverläufe und wurden im besonderen Maße zu sozialer Distanzierung aufgerufen. Gleichzeitig wurde die Sorge geäußert, dass sich Erkrankungsrisiko und soziale Isolation negativ auf die psychische Gesundheit älterer Menschen auswirken würden.

    Ziele der Arbeit

    Erfassung von psychosozialen Belastungen, vorhandenen Bewältigungsstrategien, Unterstützungsbedarfen und Kohärenzerleben älterer Menschen im Zusammenhang mit dem COVID-19-Ausbruchsgeschehen.

    Material und Methoden

    Die Studie folgt einem qualitativen Untersuchungsdesign. Zwischen Mai und Juni 2020 wurden telefonische Interviews mit 11 älteren Personen (70+) durchgeführt. Die Durchführung der Interviews erfolgte leitfadengestützt. Die Daten wurden mittels Audioaufzeichnung festgehalten, transkribiert und inhaltsanalytisch nach Mayring und Fenzl (2019) unter Nutzung von MAXQDA ausgewertet.

    Ergebnisse

    Die Probanden waren im Durchschnitt 74,8 Jahre alt. Bei den Befragten zeigte sich ein überwiegend stabiles Befinden und gutes Zurechtkommen mit dem COVID-19-Geschehen. Als wesentliche Ressourcen wurden Lebenserfahrung, frühere bewältigte Krisen, eine optimistische Grundhaltung und Einsicht in die Notwendigkeit der Maßnahmen genannt. Externe Unterstützungsangebote seien kaum in Anspruch genommen worden. Das Schließen seniorenspezifischer Treffpunkte wurde kritisch bewertet.

    Diskussion

    Ältere Menschen scheinen sich ihre psychosoziale Gesundheit trotz COVID-19-Pandemie überwiegend zu erhalten. Die Bedeutsamkeit mentaler Ressourcen älterer Menschen für die Unterstützung jüngerer Generationen bleibt bisher unerkannt.

  11. Zusammenfassung

    Partizipative Gesundheitsforschung ist ein eigenständiger Forschungsansatz, der eigene Förderbedingungen benötigt. In der Zeitschrift Gesundheitswesen erschien im April 2020 ein Artikel, der Empfehlungen für geeignete Maßnahmen zur Förderung von partizipativer Gesundheitsforschung diskutiert. Im Rahmen des vorliegenden Beitrags werden dort angesprochenen Aspekte durch Praxisbeispiele untermauert.

    3 Erfahrungsbeispiele werden aufgeführt, um die vielfältigen und unterschiedlichen Bedingungen während der Bewerbung um Mittel für partizipative Forschungsprojekte zu erläutern. Beispiel 1 zeigt, wie die fruchtbare Zusammenarbeit von Antragstellenden und fördernder Stelle partizipative Prozesse ermöglichte. In Beispiel 2 haben die Förder- und Antragsbedingungen, trotz eines Fokus auf Partizipation, eine wirksame Beteiligung im Rahmen der Antragsentwicklung nicht möglich gemacht. Beispiel 3 setzt sich mit eigenen, berechtigten Forschungsinteressen von Betroffenen auseinander, die in der gegenwärtigen Fördererlandschaft nur eingeschränkt Widerhall finden und kaum Förderung erfahren.

    Die Erfahrungen zur Förderung partizipativ angelegter Forschung gestalten sich sehr unterschiedlich. Es gibt positive Fälle, es überwiegen aber Erfahrungen mit Hindernissen, die eine partizipative Zusammenarbeit erschweren. Speziell betrifft dies die gemeinsame Erarbeitung von Forschungsanträgen (Themen, Fragestellung, Design) durch alle maßgeblichen Akteur*innen. Um partizipative Gesundheitsforschung effektiv zu fördern, braucht es daher flexiblere Ausschreibungsformate mit längeren Antragsfristen, die eine mehrstufige Förderung erlauben und auch für nichtakademische Akteur*innen und Akteursgruppen zugänglich sind.

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