Bundesgesundheitsblatt

The latest content available from Springer
  1. Zusammenfassung

    Die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zunehmende Erkenntnis, dass Früherkennung nicht immer bzw. nicht nur Nutzen bringt, sondern bei manchen Maßnahmen sogar der Schaden überwiegen kann, hat den Stellenwert der Evaluation von Krebsfrüherkennungsprogrammen grundlegend verändert. Man unterscheidet zwischen einer Endpunktevaluation, bei der die Wirksamkeit bzw. das Nutzen-Schaden-Verhältnis bewertet wird, und einer Prozessevaluation, deren Ziel es ist, eine optimale Umsetzung des Programms sicherzustellen.

    Vor flächendeckender Einführung einer Früherkennungsmaßnahme kann der Wirksamkeitsnachweis mittels einer randomisiert kontrollierten Studie (RCT) erbracht werden, bei der Personen ohne Screeningangebot die Vergleichsgruppe bilden. Dieses Studiendesign ist aus wissenschaftlicher Sicht mit Abstand die beste Methode, den Endpunkt zu evaluieren, da es Fehlerquellen umgeht, die in Beobachtungsstudien zu verzerrten Ergebnissen führen können. Die RCT-Evidenz – soweit vorhanden – zu den derzeit im Rahmen des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland angebotenen Maßnahmen zur Krebsfrüherkennung stammt ausschließlich aus anderen Ländern.

    Bei der Einführung des Mammographiescreenings als erstes organisiertes Früherkennungsprogramm in Deutschland wurden umfangreiche Maßnahmen zur Prozessevaluation ergriffen. Im April 2013 wurde mit Inkrafttreten des Krebsfrüherkennungs- und Registergesetzes festgelegt, dass auch das Darmkrebs- und das Zervixkarzinomscreening in organisierte Programme überführt werden sollen. Dem Gesetzestext ist zu entnehmen, dass bei den neuen Programmen sowohl eine Prozess- als auch eine Endpunktevaluation vorgesehen ist. Es bleibt abzuwarten, wie die hierfür notwendigen Datenflüsse konzipiert und später in der Praxis umgesetzt werden.

  2. Zusammenfassung

    Darmkrebs ist in Deutschland mit derzeit insgesamt etwa 25.000 Sterbefällen pro Jahr bei Männern und Frauen die dritthäufigste Krebstodesursache. Zu den etablierten Instrumenten der Darmkrebsfrüherkennung zählen die Darmspiegelung und der Stuhlbluttest. Für beide Verfahren liegt Evidenz vor, was die Senkung der darmkrebsspezifischen Mortalität betrifft und für die Darmspiegelung ist auch eine Senkung der Darmkrebsinzidenz nachgewiesen.

    In Deutschland wurde seit 1977 der Guajak-Test auf Blut im Stuhl angeboten. Im Jahr 2002 wurde das Angebot um die Früherkennungskoloskopie erweitert und im Jahr 2016 wurde der Guajak-Test durch den immunologischen Test auf Blut im Stuhl ersetzt, der eine verbesserte diagnostische Wertigkeit aufweist. Insgesamt waren die Teilnahmeraten bei den Anspruchsberechtigten in den vergangenen Jahrzenten niedrig und unterschieden sich zwischen Männern, Frauen und Altersgruppen.

    Voraussichtlich ab dem Jahr 2019 werden im Zuge der Einführung eines organisierten Darmkrebsscreeningprogramms in Deutschland persönliche Einladungsschreiben verschickt werden. Des Weiteren sind im Rahmen dieses Programmes Maßnahmen zur systematischen Überwachung und Verbesserung der Qualität der Darmkrebsfrüherkennung vorgesehen. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen diese Änderungen haben werden und ob sich der seit einiger Zeit in Deutschland zu beobachtende Trend einer sinkenden Darmkrebsinzidenz und -mortalität in den kommenden Jahren fortsetzen wird.

  3. Zusammenfassung

    Krebserkrankungen gehören auch in Deutschland zu den wichtigsten chronischen Erkrankungen, aber nicht alle sind für eine Krebsfrüherkennung (KFE) geeignet. Im Jahr 1971 wurde die KFE in der Bundesrepublik Deutschland erstmals in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen. Die Umsetzung der Screenings war jedoch zunächst wenig systematisch. Parallel wurde in der Deutschen Demokratischen Republik eine Diskussion über die Perspektiven der KFE geführt, aber auch hier war erst gegen Ende der 1980er-Jahre ein strukturiertes Screeningprogramm in Vorbereitung.

    Im Jahr 2008 wurde der Nationale Krebsplan (NKP) ins Leben gerufen, dessen Handlungsfeld 1 den Titel „Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung“ trug. Im April 2013 trat dann das Gesetz zur Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung und zur Qualitätssicherung durch klinische Krebsregister (KFRG) in Kraft, in dem maßgebliche Empfehlungen des NKP aufgegriffen wurden. Nun werden auch in Deutschland die einschlägigen Empfehlungen der Europäischen Union (EU) zum Screening von Krebs in Brust, Cervix und Colon-Rektum aktiv umgesetzt.

    Bei der Haltung zur KFE wurde in der Öffentlichkeit aus einhelliger Zustimmung in den letzten Jahren eher kritische Distanz. Während ineffektive und ineffiziente Vorgehensweisen durch qualitätsgesicherte Verfahren flächendeckend ersetzt werden, wird die Diskussion über die grundlegende Sinnhaftigkeit der KFE so kontrovers geführt wie nie zuvor.

  4. Zusammenfassung

    Die verstärkten Maßnahmen in der Tabakkontrolle der letzten Jahre führten dazu, dass die Tabakindustrie mit der Entwicklung neuer Tabakprodukte, wie Tabakerhitzer, reagiert, deren Konsum weniger gesundheitsschädlich als der von konventionellen Zigaretten sein soll. Es liegen umfangreiche Studien seitens der Hersteller vor, die aufzeigen, dass die Emissionen des Tabakerhitzers deutlich geringere Werte an gesundheitsschädlichen Substanzen im Vergleich zu konventionellen Zigaretten aufweisen. Im Weiteren veröffentlichten Hersteller Studien, die verminderte toxische Wirkungen im Vergleich zur herkömmlichen Zigarette belegen.

    Ziel des vorliegenden Berichtes ist es, aktuelle Studien des Herstellers und unabhängiger Institutionen zu erörtern sowie mögliche verringerte Gesundheitsgefährdungen zu diskutieren.

    Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat eine eigene Studie zu ausgewählten Analyten in den Emissionen eines Tabakerhitzers durchgeführt, welche die niedrigeren Gehalte an gesundheitsschädlichen Stoffen in den Emissionen bestätigt. Dies wurde auch in anderen unabhängigen Studien gezeigt. Der Nikotingehalt in den Emissionen liegt im gleichen Bereich wie die Nikotinemissionen von konventionellen Zigaretten, wodurch von einem vergleichbaren Sucht- und Abhängigkeitspotenzial auszugehen ist. Der Hersteller hat mutagene Wirkungen der Emissionen berichtet, die allerdings im Vergleich zu konventionellen Zigaretten deutlich schwächer ausgeprägt sind. Dennoch bleibt die Nutzung von Tabakerhitzern mit gesundheitlichen Risiken verbunden.

    Es ist noch unklar, inwieweit die reduzierten Gehalte an gesundheitsschädlichen Stoffen zu einem geringeren gesundheitlichen Risiko führen. Dazu sind zum einen mehr unabhängige Studien, aber auch Langzeitstudien notwendig.

  5. Zusammenfassung

    Hintergrund

    E-Zigaretten und Tabakerhitzer sind neue Produkte, die alternativ oder komplementär zum herkömmlichen Tabakrauchen verwendet werden.

    Ziel der Arbeit

    Aktuelle Daten der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten (DEBRA-Studie) zur Nutzung von E‑Zigaretten und Tabakerhitzern sollen in Abhängigkeit von Tabakrauchstatus und sozioökonomischen Merkmalen ausgewertet werden. Gründe für die E‑Zigarettennutzung und die Risikoeinschätzung von Tabakerhitzern sollen dargestellt werden.

    Material und Methoden

    DEBRA ist eine fortlaufende, repräsentative, persönlich-mündliche Haushaltsbefragung von Personen über 14 Jahren. In der vorliegenden Arbeit wurden Daten der ersten neun Befragungswellen analysiert (Juni/Juli 2016 bis Oktober/November 2017; n = 18.415).

    Ergebnisse

    Im Beobachtungszeitraum konsumierten 1,9 % (95 %-Konfidenzintervall (KI) = 1,7–2,2 %) der Bevölkerung E‑Zigaretten (2,8 % der 14- bis 17-Jährigen). 74,5 % (95 %-KI = 69,4–79,2 %) der aktuellen E‑Zigarettennutzer rauchten gleichzeitig Tabak. Drei Viertel der Jugendlichen nutzten E‑Zigaretten überwiegend „aus Spaß“, Erwachsene eher aus Gründen, die mit dem Tabakrauchen zusammenhängen (u. a. weniger schädlich, Rauchstoppmethode). 0,3 % (95 %-KI = 0,09–0,64 %) der aktuellen Tabakraucher und neuen Ex-Tabakraucher (<12 Monate rauchfrei) nutzten aktuell Tabakerhitzer, und 6,0 % (95 % KI = 5,0–7,2 %) waren Jemals-Nutzer. Die Nutzung von Tabakerhitzern stieg mit zunehmender Bildung und zunehmendem Einkommen. Die Mehrheit schätzte Tabakerhitzer als etwas (41,0 %, n = 25) oder viel weniger schädlich (14,8 %, n = 9) ein. 37,7 % (n = 23) hielten sie für genauso schädlich wie Tabakzigaretten.

    Diskussion

    E-Zigaretten werden in Deutschland überwiegend zusätzlich zu Tabak(zigaretten) konsumiert. Unter aktuellen Tabakrauchern und neuen Ex-Tabakrauchern ist der Gebrauch von Tabakerhitzern noch sehr niedrig, aber relativ häufiger bei Personen mit besserer Bildung und höherem Einkommen zu finden. Ein kontinuierliches Monitoring von Konsummustern bei diesen Produkten in der Gesamtbevölkerung und in relevanten Subgruppen bleibt notwendig.

  6. Zusammenfassung

    Aktuell rauchen in Deutschland 28,7 % der 18- bis 64-Jährigen (26,1 % der Frauen/31,2 % der Männer). Bei den 12- bis 17-Jährigen liegt die Raucherquote mit 7,4 % auf einem historischen Tiefstand. Auch bei den 18- bis 25-Jährigen ist die Raucherquote in den letzten Jahren rückläufig. Sie liegt aktuell bei 26,1 %.

    Wichtigstes Ziel der bundesweiten Maßnahmen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in der Tabakprävention ist die Reduzierung der Raucherquote. Hierzu führt die BZgA die „rauchfrei“-Kampagne durch, die sich zielgruppenspezifisch an Jugendliche und Erwachsene richtet. Mit einem eng verzahnten und kontinuierlich überprüften und weiterentwickelten Maßnahmenmix werden die Zielgruppen im Internet, in ihren Lebenswelten (Personalkommunikation) sowie über Medien und Massenkommunikation erreicht. Neben der Information über die Risiken des Rauchens und Passivrauchens spielen hierbei die Motivation zum Rauchstopp und die qualitätsgesicherte Unterstützung bei der Raucherentwöhnung eine wichtige Rolle.

    Die Maßnahmen der BZgA werden auf der Basis repräsentativer Befragungen zum Rauchverhalten der 12- bis 25-Jährigen, die die BZgA regelmäßig durchführt, überprüft und weiter entwickelt. Auf dieser Grundlage werden neue Produkte, wie E‑Zigaretten, E‑Shishas oder Tabakerhitzer, und neue Konsumtrends, wie der Trend zum Wasserpfeifenrauchen, integriert. Zugangswege zu den Zielgruppen werden vor dem Hintergrund der Digitalisierung der Gesellschaft kontinuierlich überprüft und die gesundheitsförderliche Ausgestaltung von Lebenswelten unterstützt. Insgesamt bietet die „rauchfrei“-Kampagne ein qualitätsgesichertes Maßnahmenspektrum, welches kontinuierlich weiterentwickelt wird.

  7. Zusammenfassung

    Hintergrund

    Die Einschätzung, dass E‑Zigaretten weniger schädlich sind als herkömmliche Tabakerzeugnisse, kann den Konsum von E‑Zigaretten beeinflussen.

    Ziel der Arbeit

    Es wurden drei Fragestellungen untersucht: (1) Wie werden die Gesundheitsgefahren durch E‑Zigaretten in verschiedenen Bevölkerungsgruppen eingeschätzt? (2) Erklären soziodemografische Variablen Unterschiede in der Gefahreneinschätzung von E‑Zigaretten? (3) Sagt die Einschätzung der Gesundheitsgefahren die Nutzung von E‑Zigaretten als Mittel zur Tabakentwöhnung voraus?

    Methoden

    Als Datenbasis diente der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA) 2015 mit einer Stichprobe von n = 9204 18- bis 64-Jährigen (Antwortrate 52,2 %). Die Datenerhebung erfolgte mittels eines Methodenmixes (schriftlich, telefonisch, webbasiert). Die Einschätzung der Gesundheitsgefahren von E‑Zigaretten wurde im Vergleich zu konventionellen Zigaretten erfasst (schädlicher, genauso schädlich, weniger schädlich, weiß nicht). Zur Datenanalyse wurden logistische Regressionen durchgeführt.

    Ergebnisse

    E-Zigaretten wurden von Frauen und älteren Personen als genauso schädlich, von Personen mit einer niedrigeren Bildung als schädlicher und von Rauchern als schädlicher oder genauso schädlich wie Tabakzigaretten eingeschätzt. Die Wahrscheinlichkeit, E‑Zigaretten als Hilfsmittel zur Tabakentwöhnung zu nutzen, war höher, wenn Individuen diese als weniger schädlich als klassische Tabakprodukte einschätzten.

    Diskussion

    Nur einem Drittel der Bevölkerung ist bekannt, dass E‑Zigaretten nach der aktuellen Forschung weniger gesundheitsschädlich sind als herkömmliche Zigaretten. Die subjektive Einschätzung der Gesundheitsgefahren ist mit der Nutzung von E‑Zigaretten zur Tabakentwöhnung assoziiert.

  8. Zusammenfassung

    Das Rauchen ist in Deutschland die größte vermeidbare Ursache für frühzeitigen Tod. Das Netzwerk „Aufklärung gegen Tabak“ (AGT) ist eine im Jahr 2012 in Deutschland gegründete Initiative, bei der sich inzwischen in 14 Ländern an circa 80 Medizinfakultäten über 3500 Medizinstudierende, Ärztinnen und Ärzte ehrenamtlich engagieren. In diesem Beitrag stellt die Initiative AGT ihr Konzept, sowie Aktivitäten, Ziele und begleitende Studien vor.

    Auf Schulebene adressiert das Programm 10- bis 15-jährige Sekundarschüler und -schülerinnen. Ergänzend zu einem multimodalen Ansatz werden bei den Schulbesuchen moderne Medien wie Facemorphing-Apps eingesetzt, die nicht nur von Schülern (45.000 pro Jahr in 14 Ländern), sondern insgesamt bereits von über 500.000 Menschen genutzt werden. Die Wirksamkeit der schulbasierten Intervention wird in randomisierten Langzeitstudien mit aktuell 20.000 Jugendlichen in Deutschland untersucht. Eine erste Langzeitstudie zeigte Hinweise auf einen protektiven Effekt bezüglich Rauchbeginn, besonders bei Schülerinnen, niedrigem Bildungsniveau und vorhandenem Migrationshintergrund.

    An 13 (von 28 teilnehmenden) deutschen Medizinfakultäten bildet das Programm jährlich mehrere hundert angehende Ärztinnen und Ärzte in wissenschaftlich konzipierten Wahlfächern für die fundierte Entwöhnung von Patienten aus und sensibilisiert sie für die Tabakepidemie. Approbierte Mitglieder treten als „Ärzteverband Tabakprävention“ mit lokalen Bundestagsabgeordneten in den Dialog.

    AGT motiviert die angehende Medizinergeneration, initial über Prävention im Schulsetting, sich der Herausforderung der nationalen Tabakkontrolle auch auf hochschulpolitischer und bundespolitischer Ebene zu stellen.

  9. Erratum zu:

    Bundesgesundheitsbl (2018)

    https://doi.org/10.1007/s00103-018-2761-8

    In der Originalpublikation dieses Beitrags fehlt ein Hinweis zu Lebendimpfungen bei Patienten mit Störungen im Bereich der Toll-like-Rezeptor-Signaltransduktion.

    Am Ende des letzten Absatzes unter Punk 3.6 „Defekte der …

  10. Zusammenfassung

    Zur Tabakprävention wird in Deutschland seit 1997 unter dem Titel „Be Smart – Don’t Start“ ein Wettbewerb für Schulklassen angeboten. Mittels Kontraktmanagements verpflichten sich die teilnehmenden Klassen, ein halbes Jahr lang „rauchfrei“ zu sein. Die Rauchfreiheit wird regelmäßig dokumentiert. Unter erfolgreichen Klassen werden nach Ende des Wettbewerbs Preise verlost. Durch den Wettbewerb soll die soziale Norm zum Nichtrauchen hin verschoben werden.

    In Deutschland ist der Wettbewerb in den letzten 20 Jahren zur wohl am weitesten verbreiteten Maßnahme schulischer Tabakprävention geworden. Verschiedene Studien sind zur Prozess- und Ergebnisevaluation, zur Kosten-Nutzen-Effektivität und zu iatrogenen Effekten durchgeführt worden. Gemäß der bisherigen Evidenz ist die Maßnahme im Schulalltag praktikabel umzusetzen, stößt auf positive Resonanz seitens der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler und weist ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis auf. Kontrollierte Studienergebnisse lassen sich dahingehend interpretieren, dass negative Nebeneffekte unwahrscheinlich sind und die Wettbewerbsteilnahme zumindest kurzfristig die Progression des Rauchens hemmt.

  11. Zusammenfassung

    Gesundheitsberichterstattung (GBE) soll die gesundheitliche Lage der Bevölkerung beschreiben und Handlungsbedarfe aufzeigen. Darüber hinaus soll die GBE nach einer neuen Definition auch eine objektive Grundlage für partizipative Prozesse bieten. Damit wird eine Brücke zu Konzepten der Gesundheitsförderung geschlagen.

    Kommunale integrierte Gesundheitsstrategien (Präventionsketten) beruhen auf dem Konzept der Salutogenese. Ein wichtiges Merkmal von Präventionsketten ist u. a. der partizipative Ansatz, um eine am Bedarf orientierte präventive Ausrichtung von Maßnahmen in Kommunen zu entwickeln. Das setzt eine bereichsübergreifende Arbeitsweise und ein abgestimmtes Vorgehen vieler Akteure voraus und benötigt darüber hinaus als Planungsgrundlage eine Verknüpfung von Gesundheits‑, Sozial- und Umweltdaten und integrierte Berichterstattung.

    Im Land Brandenburg wurde durch die Koordinierungsstelle „Gesundheitliche Chancengleichheit“ in zwei Modellregionen exemplarisch der Aufbau einer Präventionskette in der Aufbauphase begleitet. Im Rahmen einer Evaluation wurden Stolpersteine und Gelingensfaktoren erhoben. Es zeigt sich, dass innerhalb der Aufbauphase weitere vier Phasen identifiziert werden konnten und diesen Phasen spezifische Aspekte zugeordnet werden konnten. Darüber hinaus sollten sozialraumorientierte Daten eine gute Validität aufweisen, kontinuierlich erhoben werden und eine räumliche Vergleichbarkeit ermöglichen. Die Verknüpfung von Daten verschiedener Ressorts und die Ergänzung um subjektive Daten könnten vorhandene Lücken schließen und partizipative Prozesse unterstützen.

    Wie eine gute Integration in Planungsprozesse in den Kommunen gelingen kann sowie Fragen der dafür notwendigen Ressourcen wird in zukünftigen Prozessen zu klären sein.

Hygieneinspektoren-SaarLorLux e. V. (c) 2018