Bundesgesundheitsblatt

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  1. Zusammenfassung

    Beim Übergang vom Jugend- in das Erwachsenenalter haben Menschen mit Behinderungen besondere Probleme und spezifische Anforderungen an eine adäquate medizinische Versorgung und deren Einbettung in das gesamte Umfeld. Mit der Einführung der Paragrafen 119c und 43b SGB V wurde die Voraussetzung für medizinische Zentren für Menschen mit Behinderung (MZEB) geschaffen und die besonderen Bedarfslagen dieser Personengruppe anerkannt sowie gleichzeitig ein Beitrag zur Umsetzung von Art. 25 der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen geleistet. Die MZEB können jedoch aufgrund der Zugangsbeschränkungen nur einen Teil der Menschen mit Behinderung adäquat versorgen. Auch in der Regelversorgung müssen weitere Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Gruppe der Menschen mit Behinderungen adäquat gesundheitlich versorgt werden kann. Das Outcome neuer Versorgungskonzepte sollte durch geeignete Studien überprüft werden.

  2. Zusammenfassung

    Die Migräne ist auch im Kindes- und Jugendalter ein häufiges, aber in klinischer Versorgung und Wissenschaft oft unterrepräsentiertes Krankheitsbild. Gerade im Kindes- und Jugendalter bestehen relevante Einschränkungen der Lebensqualität durch das (häufige) Schmerzerfahren. Bedingt durch die entwicklungsspezifisch hohe Vulnerabilität des adoleszenten Gehirns besteht ein hohes Chronifizierungs- und Persistenzrisiko bis ins Erwachsenenalter hinein. In diesem Beitrag werden die Bestandteile eines patientenzentrierten, multimodalen Therapiekonzepts dargestellt. Darüber hinaus werden die aktuellsten Erkenntnisse zu den pathophysiologischen Grundlagen der Migräneerkrankung beleuchtet, nach denen Migräne durch einen sich phasenweise verändernden Funktionszustand des Gehirns entsteht (Stichwort: „migraine is a brain state“). Auch periphere Komponenten wie Muskelschmerzen, -verspannungen und -triggerpunkte spielen eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund werden nichtpharmakologische innovative Therapieansätze vorgestellt, die auf dem Prinzip der Neuromodulation beruhen, mit Fokus auf der repetitiven peripheren Magnetstimulation.

  3. Zusammenfassung

    Hintergrund: Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen sind eine sehr heterogene Gruppe von Patienten mit altersspezifischen Besonderheiten und einem breiten Spektrum von Grunderkrankungen, die nicht nur eine gute medizinische Betreuung, sondern eine umfassendere Betreuung benötigen, um eine größtmögliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erreichen.

    Zielsetzung: In der vorliegenden Übersichtsarbeit werden die Probleme von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen und ihren Familien sowie die Erfordernisse für eine möglichst gute Lebensbewältigung dargestellt. Die Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems und die notwendigen ergänzenden Sozialleistungen werden dargestellt und notwendige Schritte der Weiterentwicklung diskutiert.

    Fazit: Für chronisch kranke Kinder und Jugendliche und ihre Familien gibt es zahlreiche Angebote, die aber aufgrund der oft unübersichtlichen Zugangswege und mangelnden Koordination nicht im erforderlichen Ausmaß wahrgenommen werden können. Aktuelle Bemühungen, Teile der Sozialgesetzgebung besser aufeinander abzustimmen und Leistungsangebote aus einer Hand zu entwickeln, stellen einen weiteren Schritt zur Verbesserung der Versorgungssituation dar.

  4. Zusammenfassung

    Diabetes mellitus Typ 1 ist die häufigste endokrinologische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren. Eine Heilungsperspektive bezüglich der Autoimmunreaktion gegen die insulinbildenden Betazellen ist weiterhin nicht in Sicht. Dennoch konnte durch technische Innovationsschübe bei Glukosesensoren, Insulinpumpen und Steuerungsalgorithmen innerhalb der letzten Jahre die Stoffwechselkontrolle optimiert werden. Diese Entwicklungen führen zusammen mit individuellen Diabetesschulungen und psychosozialer Unterstützung zu einer deutlichen Verbesserung der Versorgung.

    In diesem Übersichtsartikel wird die aktuelle Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes sowie ihren Eltern dargestellt. In Deutschland ist die multidisziplinäre, spezialisierte Versorgung durch Teams aus Kinder- und Jugenddiabetolog*innen, Diabetesberater*innen, Sozialarbeiter*innen und Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen seit vielen Jahren etabliert und führt zu einer im internationalen Vergleich sehr guten Versorgungsqualität. Fokussiert werden die Diabetesschulung mit dem Schwerpunkt, das Selbstmanagement optimal zu unterstützen, die psychosoziale Begleitung und Intervention sowie die Inklusion in Schulen und Kindertagesstätten. Wir gehen außerdem auf neue soziale Entwicklungen der Diabetes-Online-Community ein. Ein aktuelles Beispiel ist die patientenbetriebene Bewegung „Do-It-Yourself Artificial Pancreas System“ (DIY-APS), die als Open-Source-Projekt mittlerweile Innovationsgeber auch für Medizinproduktehersteller ist. Zum Schluss beleuchten wir die damit verbundenen Chancen, aber auch die Verschiebung der klassischen Arzt-Patienten-Rollen.

  5. Die Originalveröffentlichung der Stellungnahme enthält eine Ungenauigkeit in Bezug auf die Meldeverpflichtung für „near misses“ („Beinahe-Schäden“; Seite 1141, 3. Spalte).

    Nur wenn die Ursache …

  6. Zusammenfassung

    Der Nationale Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (SE) enthält 52 konkrete Maßnahmen, u. a. in den Handlungsfeldern Versorgung, Forschung, Diagnose und Informationsmanagement. Mit dem Ziel, langfristig die Qualität und Interoperabilität von nationalen Registern zu erhöhen, sieht Maßnahmenvorschlag 28 die Etablierung einer Strategiegruppe „Register für Seltene Erkrankungen“ vor. Diese Strategiegruppe hat 2016 ihre Arbeit aufgenommen. Sie berichtet hier über Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene, um Empfehlungen für nationale Initiativen daraus abzuleiten.

    Zusätzlich werden die Konsentierung und Implementierung sowie mit der Zeit ggf. die Anpassung eines Minimaldatensatzes zur Verwendung in Registern für Seltene Erkrankungen erläutert. Zusätzlich werden die verwendeten Datenelemente bzw. -schemata in einem sog. Metadata Repository abgebildet. Dieses Positionspapier wurde durch die Strategiegruppe sowie weitere Autoren erarbeitet und innerhalb der Gruppe konsentiert. Es wird als Konzeptpapier zum Aufbau und Betrieb von Registern der Strategiegruppe „Register“ veröffentlicht.

  7. Zusammenfassung

    Die Digitalisierung bietet erhebliche Potenziale für eine Stärkung der Prävention im Gesundheitswesen. Daten aus verschiedenen klinischen und außerklinischen Quellen können strukturiert erfasst und mithilfe von Algorithmen systematisch verarbeitet werden. Präventionsbedarfe lassen sich schneller und präziser ermitteln, Interventionen zielgruppenspezifisch planen, implementieren und evaluieren. Zugleich ist es jedoch erforderlich, dass die Datenverarbeitung nicht nur hohen technischen, sondern auch ethischen Standards und den gesetzlichen Datenschutzbestimmungen entspricht, um Risiken zu vermeiden oder zu minimieren.

    Der vorliegende Diskussionsbeitrag beleuchtet in ethischer und rechtlicher Hinsicht die Potenziale und Risiken der digitalen Prävention zum einen aus einer „Datenperspektive“, bei der es um die Nutzung von gesundheitsrelevanten Daten geht, und zum anderen aus einer „Algorithmenperspektive“, bei der der Einsatz algorithmischer Systeme, einschließlich künstlicher Intelligenz, zur Bedarfserhebung und Evaluation präventiver Maßnahmen im Mittelpunkt steht. Abschließend werden Empfehlungen für Rahmenbedingungen formuliert, die geschaffen werden sollten, um die Weiterentwicklung der Prävention im Gesundheitswesen zu stärken.

  8. Zusammenfassung

    Das Internet ist heutzutage eine zentrale Quelle für Gesundheitsinformationen. Eine optimale Gestaltung von Webangeboten und E‑Health-Maßnahmen erfordert valide Evaluationen der Wahrnehmung von Nutzenden, der sogenannten User Experience. Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wurde zu diesem Zweck eine Toolbox zur Website-Evaluation (für Screening und Monitoring) aus frei verfügbaren, quantitativ-empirischen Fragebögen zusammengestellt. Mit dieser lassen sich zentrale Aspekte der User Experience im Internet reliabel und valide erfassen. In diesem Beitrag sollen die Komponenten der Evaluationstoolbox, die zugrunde liegenden Qualitätskriterien sowie Erfahrungen aus dem Praxiseinsatz dargestellt werden.

    Das Ziel der Toolbox ist es, methodisch hochwertige, umfassende und zeitökonomische Analysen zu vereinfachen. Dokumentiert sind 9 standardisierte Fragebogeninstrumente sowie ergänzende Einzelitems aus 3 Bereichen. In der Standardvariante der Toolbox werden 35 Items verwendet, die in unter 10 min beantwortet werden können. Für eine erweiterte Untersuchung einer Website sind zusätzliche Verfahren zu Website-Inhalt, Usability (Gebrauchstauglichkeit) und Ästhetik dokumentiert. Sowohl Vorteile als auch Grenzen der Toolbox werden diskutiert und geben einen Ausblick auf mögliche zukünftige Weiterentwicklungen.

  9. Zusammenfassung

    Die Digitalisierung hat die medialen Rahmen- und Kommunikationsbedingungen auch für die gesundheitliche Aufklärung revolutioniert. Die Produktion und der Konsum audiovisueller Darstellungsformen nehmen stetig zu. In diesem Beitrag werden die Funktion und Bedeutung audiovisueller Elemente im Internet für bevölkerungsbezogene Public-Health-Interventionen herausgearbeitet. An neueren Beispielen aus der Filmpraxis der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wird ein Spektrum audiovisueller Formate zur Gesundheitsaufklärung im Internet mit den damit verbundenen Zielstellungen und Botschaftsstrategien vorgestellt. Zukünftig sollten die Rezeptions- und Wirkungsprozesse von Internetvideos noch besser erforscht werden, u. a. auch die Frage, ob Bewegtbildformate im Internet dazu beitragen können, benachteiligte Zielgruppen besser zu erreichen.

  10. Zusammenfassung

    Gesteigertes Bewusstsein für die Problematik zunehmender Antibiotikaresistenzen und drohender Verlust geeigneter Therapieoptionen für Infektionen haben die Rahmenbedingungen in der Patientenversorgung verändert. In internationalen (WHO, ECDC) und nationalen Programmen und evidenzbasierten Leitlinien wurden Maßnahmen und Instrumente von Antibiotic Stewardship (ABS) konkretisiert. In Deutschland ist ABS im Krankenhaus im Infektionsschutzgesetz §23 verankert und Empfehlungen dazu in einer S3-Leitlinie. Das vorliegende Positionspapier stellt Ziele von ABS sowie erforderliche strukturelle und personelle Voraussetzungen für Krankenhäuser dar.

    Für die erfolgreiche Arbeit des ABS-Teams sind die Sicherung einer qualifizierten Fort- und Weiterbildung, die Mandatierung, die Unterstützung und die Bereitstellung ausreichender Ressourcen durch die Krankenhausleitung unabdingbar. Das ABS-Team soll krankenhausweit und abteilungsübergreifend arbeiten. Aufgaben sind Ausarbeitung und Umsetzung eines auf die lokalen Bedürfnisse und Möglichkeiten des Krankenhauses zugeschnittenen ABS-Programms unter Berücksichtigung von Antiinfektivaeinsatz, Resistenzlage und Patientenschwerpunkten. Dazu kommen Erstellung und Implementierung hausinterner Empfehlungen zur Diagnostik, Prophylaxe und Therapie wichtiger Infektionen. Das ABS-Team soll interdisziplinär arbeiten und als Teammitglieder speziell qualifizierte Ärzte und Apotheker umfassen. ABS-beauftragte Ärzte unterstützen das ABS-Team und berücksichtigen abteilungsspezifische Belange. Es wird von einer Mindestpersonalstärke für das ABS-Team von 1 Vollzeitäquivalent (VZÄ) pro 500 Betten ausgegangen. Je nach Krankenhausschwerpunkten und Anforderungen wird ein Zusatzbedarf gesehen. Die Wochenarbeitszeitstunden für einen ABS-beauftragten Arzt einer mittelgroßen Abteilung wurden auf 0,1 VZÄ pro 100 Betten geschätzt.

  11. Zusammenfassung

    Mit der Ottawa-Charta von 1986 wurde ein Paradigmenwechsel vollzogen, der alle Public-Health-Anstrengungen auf die Stärkung kommunaler Aktivitäten und die Schaffung gesundheitsförderlicher Lebensumstände orientiert. Ein Schlüssel hierfür ist „capacity building“ (CB), verstanden als die Entwicklung und möglichst nachhaltige Implementierung von strukturellen Kapazitäten – wie koordinierte Datenerhebung, Abstimmungsprozesse über Sektorengrenzen hinweg, dauerhafte Bereitstellung grundständiger Ressourcen – in allen Bereichen der Gesundheitsförderung „vor Ort“.

    Vielfältige Anstrengungen und dreieinhalb Jahrzehnte später sehen wir uns noch viel zu oft Infrastrukturdefiziten, fragmentierten Public-Health-Landschaften und Hemmnissen für die intersektorale Zusammenarbeit gegenüber. Während der theoretische Konsens über das Notwendige breit erscheint, bleibt es eine Herausforderung, diese theoretischen Einsichten in die Praxis umzusetzen. In dieser Situation kann Digital Public Health (DPH) dazu beitragen, Barrieren zu überwinden und „Daten für Taten“ sichtbarer und zugänglicher zu machen. Durch DPH können Daten auf neuartige Weise integriert, strukturiert und disseminiert werden.

    In diesem Beitrag wird erörtert, wie die Kapazitätsentwicklung auf lokaler und kommunaler Ebene von technologischen Entwicklungen profitieren und was DPH für die Bereitstellung von Informationsservices im Bereich Public Health Capacity tun kann. Der Fokus liegt auf der webbasierten, interaktiven Repräsentation von Gesundheitsförderungsdaten, die für Informations‑, Steuerungs- und Benchmarkingzwecke genutzt werden können. Als Beispiel aus der Public-Health-Praxis wird das Tool „TEAviisari“ (National Institute for Health and Welfare, Finnland) vorgestellt.

    Die EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands 2020 – u. a. mit den Themen Digitalisierung und gemeinsamer Gesundheitsdatenraum – bietet die Gelegenheit, die Kapazitätsentwicklung in der kommunalen Gesundheitsförderung auch hierzulande entscheidend voranzubringen.

  12. Zusammenfassung

    Digitale Technologien sind in nahezu alle Lebensbereiche diffundiert und somit zu einem ständigen Begleiter unseres Alltags geworden. Digitalen Interventionen werden auch Potenziale in der Prävention und Gesundheitsförderung zugeschrieben. Bislang mangelt es aber an fundierten Belegen zur Wirksamkeit entsprechender Maßnahmen. In diesem Beitrag sollen die Herausforderungen der Evidenzbasierung von digitalen Interventionen in der Prävention und Gesundheitsförderung aufgezeigt werden. Die Ergebnisse werden in Form eines narrativen Übersichtsbeitrags zusammengefasst.

    Bislang wurden Methoden der evidenzbasierten Medizin bei der Bewertung des Nutzens und Schadens im Bereich von Prävention und Gesundheitsförderung nicht oder nur bedingt eingesetzt. Gründe dafür liegen in der Komplexität entsprechender Maßnahmen. Diese Komplexität wird bei digitalen Interventionen nochmals erhöht. Dennoch wird dringend angeraten, einen stärkeren Fokus auf die Evidenzbasierung zu legen, um aussagekräftige und nachvollziehbare Bewertungsverfahren hinsichtlich der Wirksamkeit digitaler Interventionen in Prävention und Gesundheitsförderung zu ermöglichen.

    Die Digitalisierung führt zu neuen Anforderungen an Prävention und Gesundheitsförderung. Es bedarf einer kritischen Perspektive auf die tatsächlichen Wirkpotenziale digitaler Interventionen sowie deren gesellschaftliche Implikationen. Der Aufbau einer soliden Wissensbasis ist notwendig, um Akzeptanz gegenüber den Technologien zu fördern und eine nachhaltige Etablierung zu erreichen.

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